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Tough Guy 2018

„Erst einmal das Alte aufbrauchen “ war eine der Lieblingsweisheiten meiner Großmutter. Und genau das war auch meine Antwort auf die Frage von HAIX, als mir ein paar Schuhe für den Tough Guy 2018 angeboten wurden…

Ich habe im letzten Jahr ein paar brandneue, blaue BLACK EAGLE Adventure für diese Veranstaltung bekommen und habe diesen Schuhen nichts geschenkt. Wieder zurück in Deutschland habe ich die Schuhe mit einem Wasserschlauch abgespült und danach bei 30° C in der Waschmaschine auf Werkseinstellung zurückgesetzt. Dieses Verfahren wird ausdrücklich nicht vom Hersteller empfohlen, hat aber bei diesen Paar Schuhen sehr gut funktioniert. Die Schuhe, die vorher noch aussahen, als wären sie einmal komplett durch einen T-Rex gegangen, waren wieder wie neu und wurden von mir im Jahr 2017 noch bei einigen, kleineren Veranstaltungen getragen.

Da ich mit den Schuhen sehr zufrieden war, wurden sie Februar 2018 wieder in den Turnbeutel für den Tough Guy in England gesteckt. Obwohl es dort im letzten Jahr eigentlich die letzte Veranstaltung dieser Art sein sollte, fand das Rennen nach einem kleinen Make-Up wieder statt. Es sollte alles wieder ein wenig mehr „ back to the roots “ werden und nicht mehr eine Veranstaltung mit mehreren tausend Teilnehmern, wie sonst überall auf der Welt. Das Limit lag bei 1000 Startern und das Hauptaugenmerk auf den großen Hindernissen und den Wassereinlagen. Die Organisation liegt nach wie vor in den Händen der Familie Wilson und ihren engen Freunden und der Erfinder des ganzen Spektakels, Billy Wilson, genannt Mr. Mouse, erfreut sich trotz hohem Alter bester Gesundheit.

Am Tag des Ereignisses lagen die Temperaturen leicht über null Grad Celsius und die Sonne meinte es gut mit den alten Tough Guys, den Veteranen und den jungen Wetnecks, die zum ersten Mal den Mut aufbrachten, sich auf die Startlinie zu stellen. Wie immer war es aber der Wind, der den Läufern die Wärme aus den Knochen zog und nicht die Kälte des Wassers. Manch einer hatte während der Veranstaltung die Gelegenheit, über die Bedeutung des Begriffes Hypothermie nachzudenken. Bei Wikipedia heißt es dazu:

"Die Hypothermie oder Unterkühlung ist ein Zustand nach Kälteeinwirkung auf den Körper eines Lebewesens, das heißt die Wärmeproduktion war über längere Zeit geringer als die Wärmeabgabe."

Das hört sich erstmal schlau und wichtig an und wer diesen Satz nicht verstanden hat, der lernt spätestens jetzt sehr schnell, was er genau bedeutet. Ist man erst einmal am „ Point of no return “ vorbei, dann helfen auch keine Energieriegel oder Bananen mehr. Dann muss der Läufer sofort ins Warme gebracht werden. Auf den „ Killing Fields“, in England sind das glühend heiße Kanonenöfen, die in kleinen Hütten an der Strecke stehen. Hat man erst einmal die Schuhe aus und sitzt an einem solchen Ofen, ist alles gut und das Leben kehrt zurück in den Körper. Allerdings ist das Rennen für diesen Teilnehmer dann auch vorbei, weil keiner, der kürzlich die Unarten der Hypothermie kennengelernt hat, dort freiwillig wieder aufsteht.

Meine HAIX sind noch an den Füßen und tragen mich zuverlässig über den Kurs. Ich bin, wie alle anderen, völlig durchnässt, bleibe aber nicht stehen. Aus 14 vorherigen Veranstaltungen weiß ich: Wer stehenbleibt, ist raus! Also immer weiter und darauf vertrauen, dass man nicht die Schuhe verliert. Das wäre schlimm und bedeutet fast immer das Aus. Aufgeben ist aber keine Option, wenn man beim Tough Guy antritt…

In diesem Jahr sind die Feuerhindernisse irgendwie umfangreicher als in den Jahren vorher. Das mag daran liegen, dass es weniger Läufer sind als sonst und man mehr Platz auf der Strecke hat. Ich persönlich mochte die „heißen“ Teile der Killing Fields immer gern und auch meinem Schuhwerk, weitläufig verwandt mit Feuerwehrstiefeln, machten Hitze und Flammen nicht viel aus. Für mein kroatisches Lauftrikot dagegen war dies seine letzte Veranstaltung…  Nach dem erfolgreichen Zieleinlauf mit Verleihung der 15. Medaille wurde es als Brandopfer in die ewigen Jagdgründe verabschiedet.

Die HAIX BLACK EAGLE Adventure sahen wieder aus wie Teilnehmer der Schlacht an der Somme, aber wiederum trog der Schein. Als der Wasserschlauch die dicke Schlammschicht der britischen Midlands weggespült hat und die Schuhe nun nicht mehr aussahen, wie dem Traum eines Wahnsinnigen entsprungen, stellte ich fest, dass überhaupt keine Schäden durch das Feuer zu verzeichnen sind und die Schuhe auch ansonsten sehr gut aussahen. Nach dem (vom Hersteller nicht empfohlenen) Waschmaschinengang waren die Schuhe dann wieder wie neu und einsatzbereit.

Ich habe mir die Teilnahme am Tough Guy 2019 fest vorgenommen. Meine Schuhe im nächsten Jahr? Ratet mal…

Thomas Reim, Bremerhaven