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Mit HAIX auf den Annapurna Circuit im Himalaya - Teil 2

So hoch die Füße tragen (II)

Einige Tage waren wir bereits durch das Annapurna Massiv unterwegs, hatten uns an die Höhe einigermaßen akklimatisiert und die Anstrengung hatte die kleine Truppe zusammengeschweißt. Wie alles begann, erzähle ich in Teil 1.

Auf dem weiteren Weg zum Tagesziel Pisang mit seinem buddhistischen Kloster in Upper Pisang galt es, ein etwa 200m langes Schneefeld zu durchqueren. Links und rechts der Straße türmten sich vier Meter hohe Schnee- und Eiswände. Im nächsten Dorf erfuhren wir, dass es sich um Reste einer Lawine handelte, die 2 Wochen zuvor abgegangen war. Ein unerfahrener nepalesischer Führer und ein europäischer Tourist waren dabei ums Leben gekommen. Alle Warnungen der Einheimischen ignorierend waren sie trotz heftigem Schneetreiben aufgebrochen. Ein fataler Fehler.

Zwei perfekte, sonnige Wandertage durch lichte Kiefernwälder später erreichten wir Manang, ein größeres Dorf mit etwa 1.500 Einwohnern und einem atemberaubendem Blick auf die Gipfel des Annapurna-Massivs. Manang liegt auf 3.500 m Höhe, ist das letzte auch mit Geländefahrzeugen erreichbare Dorf. Von hier aus geht es nur zu Fuß oder im Sattel weiter. Zwei Nächte in Manang nutzten wir zur weiteren Akklimatisierung an die Höhe. Gleichzeitig war hier auch die letzte Gelegenheit, unsere Ausrüstung noch zu ergänzen. Rajendra empfahl, leichte Steigeisen für die Stiefel zu kaufen, denn die Berichte über viel Schnee und Eis am Thorong La Pass häuften sich. Ab hier maß er auch jeden Abend die Sauerstoffsättigung unseres Blutes, um frühzeitig eine sich abzeichnende Höhenkrankheit zu erkennen. Tatsächlich trafen wir einige Reisende, die auf dem Rückweg waren und die Passüberquerung wegen Symptomen der Höhenkrankeit abbrechen mussten.

Das gute Wetter blieb uns auch weiter treu. Kurz nach dem Aufbruch aus Manang ertönte ein tiefes Grollen, wie ich es noch nie gehört hatte. Eismassen ganz oben am Hang auf der gegenüberliegenden Talseite hatten sich gelöst und stürzten als Lawine ins Tal. Aus vermeintlich sicherer Entfernung bot sich ein beeindruckendes Schauspiel. Innerhalb vielleicht einer Minute baute sich eine Pulverwolke aus Eiskristallen auf und breitete sich kilometerweit innerhalb des Tales aus und erreichte sogar fast noch unsere Gruppe.

Einige  Stunden später und nach einer ausgiebigen Dachterassen-Teepause kamen wir gegen Nachmittag im winzigen Örtchen Yak Kharka auf knapp über 4.000 m Höhe an, dem vorletzten Tagesziel vor der Passüberquerung. An den Hängen grasten große Gruppen von Blauschafen und vereinzelt Yaks. Leider entdeckten wir auch wieder viele tote Yaks. Vom Gastwirt der Unterkunft erfuhren wir nun auch die Todesursache: Anfang März hatte es extrem viel Neuschnee gegeben. Innerhalb weniger Stunden türmten sich drei bis vier Meter auf. Trotz ihrer Anpassung an Höhe und Kälte verendeten die 1,5 – 2 Meter hohen Tiere, weil sie vom Schnee einfach eingeschlossen und komplett begraben wurden. Andere Wanderer berichteten ebenfalls von meterhohem Neuschnee einige Wochen zuvor. Strommasten und Leitungen seien komplett von Schnee bedeckt gewesen. In nur drei Wochen schmolzen diese Schneemassen durch die starke Sonneneinstrahlung fast komplett ab.

Der schwierigste Teil unserer Tour, die Passüberquerung und die zu erwartenden Schwierigkeiten rückten näher. In diesem Jahr war die Überquerung bedingt durch Schnee und schlechtes Wetter noch kaum einer Gruppe gelungen. Die meisten mussten umkehren. Wir beschlossen es dennoch zu versuchen und stiegen am nächsten Tag bis zum „High Camp“ auf 4.900 Metern auf um dort zu übernachten.

Nach dem steilen Aufstieg in der extrem dünnen Luft erwarteten uns zwei Meter Schnee am Camp. Die Nachttemperaturen in den unbeheizten 3-Bett Zimmern lagen bei ungemütlichen -10 Grad. Allzu lange dauerte die Nacht aber ohnehin nicht, da wir uns schon um vier Uhr morgens für den Aufstieg zum Pass fertig machen mussten. Neben langer Unterwäsche, Winterhose und Daunenjacke kamen erstmals auch Gamaschen und die Steigeisen zum Einsatz.

Bei Dunkelheit, Schneefall und starkem Wind brachen wir auf. Nach nur wenigen hundert Metern sahen wir vor uns eine Person schreiend einen steilen felsigen Abhang herabstürzen. Keine 70 Meter unter uns blieb er liegen. Ein zum Transport eingesetztes Yak war in Panik geraten, wie wir später erfuhren, und ein Guide hatte beim Versuch es zu bändigen den Halt verloren. Wir standen auf einem schmalen Pfad am schneebedeckten Abhang, waren froh durch die Steigeisen und Stöcke einigermaßen festen Halt zu haben aber es ging jetzt nicht mehr weiter. Meine Zuversicht, mit der ganzen Gruppe über den Pass zu kommen reduzierte sich mit jeder Minute. Zum Glück gelang es anderen Guides ihren Kollegen zu bergen, der sich glücklicherweise keine schweren Verletzungen zugezogen hatte.

Langsam aber stetig konnten wir den Aufstieg im Schein der Stirnlampen fortsetzen und bald die 5.000 m Marke überschreiten. In dieser Höhe hat sich der Luftdruck etwa halbiert. Bei jedem Atemzug steht nur noch die Hälfte der normalen Sauerstoffmenge zur Verfügung. Jeder fieberte den ersten wärmenden Sonnenstrahlen entgegen. Auf den letzten Höhenmetern tauchten ihre Strahlen  die Schneelandschaft in ein phantastisches Licht. Unerwartet plötzlich hatten wir es geschafft. 5.416 Meter, den Scheitelpunkt des windigen Thorong La Pass!    

Auf der anderen Seite reichte der Blick weit bis in die extrem trockene Mustang-Region im Regenschatten des Himalaya. Der Abstieg über 1.700 Höhenmeter im Schnee bis hinunter nach Muktinath war noch einmal richtig anstrengend. Aber das Bewusstsein den härtesten Tag so gut gemeistert zu haben, setzte Glückshormone frei.

Die folgende Etappe legten wir mit dem Bus zurück, um uns an den heißen Quellen von Tatopani zu erholen, bevor es durch endlose Rhododendronwälder noch einmal hinauf zum Poon Hill und schließlich mit dem Jeep nach Pokhara ging. Insgesamt habe ich rund 180 Kilometer und 10.000 Höhenmeter zu Fuß zurückgelegt – dank der guten Ausrüstung ohne Blasen oder Druckstellen.

Ein faszinierendes Erlebnis, nicht nur aufgrund der Natur. Neben den spektakulären Aussichten haben mich besonders unser Guide und die Träger durch ihren unermüdlichen Einsatz, ihre Freundlichkeit und das hohe Maß an Verantwortungsbewusstsein beeindruckt. Zwei erlebnisreiche Wochen und eine unauslöschliche Sehnsucht sind geblieben: Ich werde bestimmt bald wieder eine Reise nach Nepal unternehmen.

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