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Junge Karawanenbesitzer leben gefährlich - „Was treibt ihr euch auch nachts im Dorf rum?“

Mehrere Tage hatten Eule, Waschbär und Ziege nach Kamelen für unerfahrene Kameltreiber und einen 7.000-Kilometer-Karawanen-Treck gesucht, um dann so schnell wie möglich aufzubrechen. Vorher steht unerwartet allerdings noch jede Menge „Organisatorisches“ an. „Doch wir wissen gar nicht so recht was eigentlich“, notiert Henning. Wie fast überall im ländlichen Iran spricht niemand Englisch. Iman hilft einmal mehr aus der Patsche. Die Kamele brauchen Nummernschilder (chipping) und eine vorgeschriebene tierärztliche Untersuchung, um die sich die neuen Karawanenbesitzer selbst zu kümmern haben.

Henning notiert: „Früh am morgen stehen wir im Veterinärbüro in Kahnuj. Es gibt Tee, es wird mal wieder viel geredet, es werden Fotos gemacht.“ Stunden später sitzen die drei mit Spritzen und Kanülen bewaffnet im Auto zu ihren drei Kamelen. Doch nur zwei von ihnen sind im Dorf angekommen. Die Suche beginnt. Der Veterinärbeamte aus Rudbar ruft an. Er habe kein Auto, man solle ihn abholen. Also ab nach Rudbar. „Dort treffen wir auch unsere Dagmar wieder, aufgeladen auf einen Pickup“, schreibt Henning. Nach ein paar Selfies mit dem Beamten fehlen weitere Kanülen, die noch irgendwo in einer Apotheke selbst gekauft werden müssen.

Weil Dagmar noch im Ort ist, kommt sie als erstes dran. Nach einigem Rumgestochere gesteht der Beamte, dass er keine Ahnung hat, wo sich die Halsschlagader befindet. Zum Glück weiß ein Kollege, wo das Blut zu entnehmen ist.“ Dann geht es raus ins Dorf zu den beiden anderen Tieren. Am späten Nachmittag sitzen die drei Jungs mit Blut- und Speichelproben ihrer Tiere im Auto nach Jiroft. Die Proben sollen sie im 100 Kilometer entfernten Ort selbst abgeben. „Wir sind genervt…“, vertrauen sie ihren Tagebüchern an.

Als es kaum noch heftiger kommen kann, schneidet sie kurz vor dem Städtchen Jiroft ein Auto. Sie rammen das Heck. Das andere Fahrzeug schlägt frontal in eine Kreisverkehrsinsel ein. Glück im Unglück - sie bleiben unverletzt. Nur das Auto erlitt Blechschaden. Der andere Fahrer klagt über Schmerzen. Seine Stoßstange krümmt sich ums Vorderrad. Krankenwagen und Polizei sind schnell vor Ort. Die Situation klärt sich – Gottseidank. Den Schaden müssen die anderen zahlen. Nach ein paar Bildern mit der Polizei können sie die Fahrt endlich fortsetzen. Erst spät nachts kommen sie zurück. „…total erledigt“, schließt Henning das Tagebuch.

Es geht zäh voran, die Tage sind lang und ermüdend, die Nächte hingegen kurz. „Abends werden wir mit iranischer Gastfreundschaft überhäuft“, schreibt Benni fasziniert ins Logbuch. „Ständig sind wir bei Freunden von Iman und Yaqub zu Gast. Alle wollen unsere Geschichte hören und uns beraten bzw. belehren.“ Oft werden sie auf die Sicherheitslage in dieser Region des Opiumschmuggels hingewiesen. Die Menschen wirken hilfsbereit und freundlich und warnen gleichzeitig, dass die Gegend gefährlich sei. „Wir wissen nicht, was wir davon halten sollen?“, schreibt Benni. Dann überrascht sie eine brenzlige Situation: „Wir kommen erst im Dunkeln aus dem Dorf los, in dem unsere Kamele stehen. Nur ein paar hundert Meter hinter der Dorfgrenze rast plötzlich ein Auto hinter uns her, fährt seitlich an uns ran und ein Mann schreit uns auf Persisch an. Iman drückt aufs Gas was das Zeug hält. Wir liefern uns eine regelrechte Verfolgungsjagd auf der holprigen Schotterpiste. Die Verfolger geben zum Glück auf, aber Iman ist immer noch panisch und heizt wie verrückt. Erst nachdem er den Wortlaut der Verfolger übersetzt, wird uns klar, wie knapp wir einem Überfall entkommen sind.“

Zurück bei Yaqub ist niemand über den Vorfall verwundert. „Was treibt ihr euch auch nachts im Dorf rum?“, sagen sie. Seit Tagen sind Ravi, Benni und Henning, was die Sicherheitslage angeht, im Zwiespalt: „Sollen wir auf die Leute hören? Oder sollen wir dem naiven Bauchgefühl vertrauen und es riskieren?

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