Hydro Solution: Die Trinkwasserhelden

Wasser bedeutet Leben

Armut, Hungersnot und Krankheit: Erst vor Ort wurde den jungen Studenten damals bewusst, wie miserabel die Lage der Menschen in Kenia tatsächlich ist. Hier musste etwas getan werden! Also sagten 15 Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg der Wassernot in besonders abgelegenen Gebieten Kenias den Kampf an. Das begann 2016 zunächst als Teil der internationalen gemeinnützigen Organisation Enactus e.V. Mittlerweile ist Hydro Solution ein eigenständiger Verein, gestartet mit der Vision einen Wasserfilter zu entwickeln, der möglichst kostengünstig ist und aus einfachsten Materialien von den Einheimischen selbst hergestellt werden kann.

Maximilian Dötterl, Maschinenbaustudent und Projektleiter, setzte sich intensiv mit verschiedenen Filtrationstechniken auseinander. Der 26-Jährige machte das Thema zu seiner Bachelorarbeit und fand aus den Bereichen Chemie, Sensorik und Analytik sowie Regenerative Energie weitere Unterstützung für das studentische Projekt. Schon nach wenigen Monaten war ein optimal auf die Rahmenbedingungen der Region zugeschnittener Filter fertig. Studenten aus BWL, Jura, sozialer Arbeit sowie Kultur- und Medienwissenschaft steuern Werbemaßnahmen, Homepage und Sponsoringaktivitäten bei. Beste Voraussetzungen für das Gelingen des Projekts!

Der Wasserfilter
„Bei Wasserfiltern gilt das altbekannte Prinzip“, sagt Dötterl: Weniger ist mehr. Der wichtigste Bestandteil ist Bruchsand, der speziell aufbereitet werden muss, aber nahezu weltweit verfügbar ist. Das Filtergehäuse besteht aus Beton. Das schmutzige Wasser wird eingefüllt und sickert langsam durch die feinkörnige Sandschicht. Nach wenigen Wochen hat sich in den oberen Zentimetern des Sandes ein Biofilm gebildet, der die Hauptfiltration übernimmt. Da der Sand keinerlei Nährstoffe bietet, beginnen die im Wasser befindlichen Keime im Biofilm sich gegenseitig zu fressen und entfernen wiederum andere Keime aus dem nachgeschütteten Schmutzwasser. Was dennoch durchsickert stirbt spätestens im nährstofflosen Sand ab. Das gereinigte Wasser wird in einem „Safe-Waterstorage-Container“ aufgefangen. Ein Verfahren, mit dem bis zu fünfzig Liter Wasser von 99 Prozent der Krankmachender gereinigt werden. Durch seine robuste Bauart hat der Filter eine Lebensdauer von mindestens zehn Jahren, bei Herstellungskosten von gerade mal 28 EURO. Das saubere Wasser reicht für die tägliche Trinkwasserration einer Großfamilie oder Schulklasse.
Ein wichtiger Punkt bei der ganzen Sache war für das Hydro Solution Team von Anfang an, dass die Filter vor Ort gewartet und selbst gebaut werden können. Die Materialien sind alle in Afrika verfügbar und auch der Bau kann nach einer Schulung von den Kenianern selbst übernommen werden. Mittlerweile haben dank Hydro Solution mehrere Menschen einen Arbeitsplatz. Diese verdienen ein überdurchschnittliches Gehalt von sechs Euro pro Filter und können dadurch ihre Familien ernähren.

Die Umsetzung
Bereits bei ihrem ersten Besuch in Kenia im Frühjahr 2017 lernte das Team den orthodoxen Priester Pater Tito kennen, der sich in seinem Land schon lange humanitär engagiert. Mit zwei Partnerorganisationen vor Ort und der Unterstützung vieler einheimischer Helfer konnten allein durch das Pilotprojekt schon zwei Schulen und ein Waisenhaus mit insgesamt zwölf Filtern ausgestattet werden.

Für die Studenten war der Aufenthalt in Kenia auch ein Kulturschock. Schlafen mitten in der Wüste, unter freiem Himmel, Skorpione und 14 Stunden Arbeit täglich. Doch nichts konnte die mutigen Studenten aufhalten. Im September 2017 machten sich erneut, diesmal gleich zwei Teams, ausgestattet mit HAIX BLACK EAGLE ADVENTURE und BLACK EAGLE ATHLETIC, auf den Weg nach Kenia und Burkina Faso. Auch hier fanden sie die gleichen Probleme vor und konnten bei ihrem ersten Aufenthalt in Burkina Faso drei Einheimische ausbilden und sieben Wasserfilter bauen. In Kenia gelang sogar ein noch größeres Vorhaben. Zusammen mit den kenianischen Partnern wurde mit viel Schweiß und Handarbeit eine Produktionsstätte errichtet. Klar, das gute Schuhe dabei wichtigen Schutz bieten: „Die HAIX BLACK EAGLE ATHLETIC retteten Pater Tito beim Bau der Produktionsstätte vielleicht sogar das Leben“, berichtet Nina Auer, ebenfalls Projektleiterin bei Hydro Solution. Er wäre um ein Haar in ein fünf Meter tiefes Loch gefallen und konnte sich im letzten Moment gerade noch fangen.“
Aktuell profitieren bereits über 1.500 Menschen von sauberem Trinkwasser. Zusätzlich konnten sechs Kenianer die Technik des Filterbaus erlernen. Gerade dadurch gelingt dem Projekt ein dauerhafter Nutzen für die Menschen in den entlegensten Gebieten Afrikas und schafft eine wichtige Grundlage für die Verbesserung der Lebensbedingungen - und das alles durch ein Element, welches für uns als das Selbstverständlichste überhaupt erscheint: sauberes Trinkwasser.

Auszeichnungen
Das Projekt blieb nicht unbemerkt: Das Team machte den ersten Platz beim Enactus Startup Accelerator im April 2017. Im Juni folgte der erste Platz beim Enactus Landeswettbewerb. Beim anschließenden Enactus Worldcup in London schafft es das Team unter 1.700 Universitäten in die Semifinals. Beim internationalen Wettbewerb „Enactus Water Race“ kam das Projekt unter die Top 4 aus über 110 Projekten. Im November wurde Hydro Solution für den GreenTec Award unter die Top Ten in der Kategorie „Wasser und Abwasser“ gewählt und gewann das Onlinevoting. Eine tolle Anerkennung für ein tolles Engagement!

Info:

Kenia – ein afrikanischer Staat, der vor allem in ländlichen Gebieten geplagt ist von Krankheiten und Hungersnot. Immer wieder sorgen Dürreperioden und schlechte medizinische Versorgung für unmenschliche Bedingungen, machen das Land unwirtlich und erschweren das Leben der Menschen. Eines der größten Probleme ist die Verschmutzung des Trinkwassers. Was für uns selbstverständlich ist, ist für viele Menschen, besonders für Massaistämme, in Kenia eine Seltenheit: ein eigener Trinkwasseranschluss. Die Mädchen, die für die Wasserversorgung der Massaifamilien zuständig sind, sind gezwungen, weite Wege zu einer Wasserstelle auf sich zu nehmen. Häufig handelt es sich dabei um kleine Rinnsale, die von Tierfäkalien und Kadavern verschmutzt sind. Den Menschen bleibt aufgrund großer Armut oft nichts anderes übrig, als das massiv bakteriell belastetes Wasser zu trinken. Am meisten leiden die Kleinsten unter ihnen: Kinder erkranken durch das verunreinigte Wasser häufig an Cholera, Typhus oder Diarrhö. Über 80 Prozent der Erkrankungen in Kenia sind direkt auf unhygienische Wasserversorgung zurückzuführen.