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Dem Schmerz auf der Spur

Alles ist verbunden. Unsere Muskeln, Knochen, Organe sind umhüllt von einem Bindegewebe – den Faszien. Einer der führenden Köpfe in der Faszienforschung ist Dr. Robert Schleip. Der Humanbiologe und Dipl.-Psychologe war Mitinitiator des internationalen Faszien-Kongresses an der Harvard Medical School (Boston 2007). Als Dozent hält er Vorträge im Bereich Physiotherapie, Orthopädie sowie Trainingswissenschaft. Er ist Autor und Herausgeber von Fachpublikationen zum Thema „Faszien“ und in den Medien zu diesem Thema präsent.

Herr Dr. Schleip, warum bekommen wir Rückenschmerzen?

Dr. Schleip (lacht): Das lässt sich so einfach leider nicht beantworten. Die Ursachen für Rückenschmerzen sind vielfältig. Sogar vielfältiger als wir bisher angenommen haben.

Das heißt, es ist nicht immer automatisch die Bandscheibe?

Dr. Schleip: Nein. Wir wissen heute, dass die Bandscheibe sogar nur in wenigen Fällen tatsächlich die Ursache von Rückenschmerzen ist. Etwa, in 20 Prozent. Bei den übrigen 80 Prozent sind die Erkenntnisse noch nicht eindeutig. Wir wissen aber inzwischen, dass auch unsere Faszien eine Rolle spielen.

Das müssen Sie bitte erklären: Was sind Faszien?

Dr. Schleip: Faszien sind eine Art Verpackung, die unter unserer Haut liegt. Ein faseriges Netz aus Bindegewebe, das im Grunde alles miteinander verbindet. Die Faszien geben unserem Körper eine Form und halten alles zusammen. Sie können es sich vorstellen, wie die Pelle einer Weißwurst: Ohne die Faszien würden unsere Muskeln kaum Spannung haben, wie ein halbflüssiger Wackelpudding. Faszien haben außerdem großen Anteil an unseren Bewegungen. Sie wirken teilweise wie ein Katapult, indem sie Bewegungsenergie vorübergehend elastisch speichern und wieder entladen. Dynamische, federnde Bewegungen, wie beim Gehen und Laufen, nutzen zu einem erheblichen Teil weniger aktive Muskelfaser-Kontraktionen als vielmehr die elastische Rückfederung der Faszien.  

Und wie hängt dieses Gewebe mit Rückenbeschwerden zusammen?

Dr. Schleip: Nehmen wir zum Beispiel die Lendenfaszie, die unseren unteren Rücken umhüllt. Sie ist mit zahlreichen feinen Nerven ausgestattet und praktisch dafür geschaffen, Schmerzen auszulösen.

Was schädigt unsere Faszien?

Dr. Schleip: Überlastung oder Unterforderung. Beides kann unser Gewebe schädigen. Bei Überlastung reißen Faszien ein, meistens nur ganz fein. Das kann zum Beispiel Entzündungen verursachen. Gleichzeitig brauchen unsere Faszien aber ein gewisses Maß an Belastung, um gesund zu bleiben. Beim klassischen Stubenhocker, der viel sitzt oder liegt, verkümmert das Bindegewebe. Es verfilzt regelrecht. Das kann auch passieren, wenn wir unsere Füße mit dem falschen Schuhwerk kaltstellen. Und natürlich Stress. Emotionale Anspannung kann scheinbar ganze Bereiche unseres Körpers spröde und steif werden lassen.   

Was kann ich tun, um meine Faszien zu trainieren?

Dr. Schleip: Zunächst brauchen Sie Geduld. Faszien lassen sich nicht in wenigen Wochen trainieren. Bei vielen Sportarten werden die Faszien mittrainiert. Sie müssen aber wissen, dass das Bindegewebe langsamer wächst als die Muskeln und dadurch leichter überlastet wird. Generell mögen Faszien keine mechanischen, gleichförmigen oder einseitigen Bewegungen. Für die Faszienfitness sind also Sportarten mit vielseitigen Bewegungsbelastungen ideal, die ein Körpergefühl voraussetzen. Tanzen zum Beispiel, oder Turnen. Wer seinen Faszien und insbesondere seinem Rücken etwas Gutes tun möchte, kann auch zu Hause mit einer BlackRoll trainieren.

Wie kommt es, dass erst jetzt klar wird, welche Rolle die Faszien in unserem Körper spielen?

Dr. Schleip: Faszien sind lange als bloßes Verpackungsorgan abgetan worden. Das lag auch daran, dass wir diese kaum quantitativ messen konnten. Anders als zum Beispiel bei Knochen, die wir röntgen können, fehlten uns für die Faszienforschung lange die richtigen Instrumente. Jetzt können wir im Reagenzglas und im hochauflösenden Ultraschall erkennen, wie es aussieht – und entdecken eine völlig neue Welt unter der Haut.