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Wasser darf nicht krank machen

Schon zum fünften Mal machen sich sechs Studenten der Ostbayerischen Technischen Hochschule Regensburg auf den Weg nach Kenia, um das Projekt mit dem Namen Hydro Solution voranzutreiben. Bereits 2018 war ein vierköpfiges Team ab Mitte August vier Wochen lang vor Ort, um neue Konzepte für das Wasserfilterprojekt umzusetzen und das einheimische Team zu vergrößern.

Hydro Solution ist ein gemeinnütziger Verein, der es sich zum Ziel gesetzt hat, möglichst viele Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen. 18 aktive Mitglieder aus den Bereichen Ingenieurswesen, Geisteswissenschaften, Wirtschaft, Chemie, Sozialwissenschaften und Biologie haben einen innovativen Bruchsandfilter entwickelt, der kostengünstig gefertigt werden kann, ohne Chemikalien oder Strom auskommt und belastetes Wasser zuverlässig von Keimen und Bakterien befreit.

Das einheimische Team in Kenia ist im vergangenen Jahr gewachsen. Eine Zusammenarbeit mit der kenianischen Hilfsorganisation YISOG ermöglichte es Hydro Solution, seit September 2018, sechs feste Arbeitskräfte zu beschäftigen. Eine Verstärkung, die dringend nötig war. Jeden Monat können nun vor Ort 14 Haushaltsfilter produziert, ausgeliefert und installiert werden. Die Fertigung eines Großfilters hingegen nimmt circa drei Monate in Anspruch. Die großen Filter werden besonders in Schulen eingesetzt und liefern je nach Bedarf und Schüleranzahl bis zu 4000 Liter genießbares Wasser täglich. Drei Schulen mit je circa 600-800 Kindern konnten bereits mit einem solchen Großfilter ausgestattet werden. Seit dem Start des Projekts erhielten außerdem mehr als 130 Haushalte einen eigenen Filter. Über 4000 Menschen haben durch Hydro Solution schon Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Die Produktionsstätte, an der die einheimischen Arbeiter dem regelmäßigen Filterbau nachgehen können, befindet sich in der Wüste nahe dem Massailand. Die Anlage, die das Hydro Solution Team zusammen mit den kenianischen Helfern eigenhändig gebaut hat, besteht aus zwei Gebäuden, einer Lagerstätte, in der alle für den Filterbau benötigten Materialien verstaut sind und einem überdachten Gebäude, in dem alle Fertigungsschritte in einer sogenannten Produktionsstraße ausgeführt werden: Gießen der Betonfilterformen sowie waschen, sieben und trocknen des Filtrationssandes. Die Anfertigung eines Filters nimmt circa fünf Stunden in Anspruch.

Was die Filter bewirken, zeigte sich anhand der Evaluationsstudie, welche Nina Auer, Projektleiterin bei Hydro Solution, im August an der ersten, mit einem Großfilter ausgestatteten Schule, durchgeführt hat. „Die Ergebnisse meiner Befragung ergab, dass seit der Installation der Filter die Kinder deutlich weniger krank sind und kaum mehr an Diarrhoe und anderen, häufig durch verschmutztes Trinkwasser hervorgerufene Krankheiten, leiden“, sagt Nina Auer. Auch die Lehrer berichteten, die Kinder würden regelmäßiger am Unterricht teilnehmen und müssten wegen Erkrankungen nicht ständig zu Hause bleiben. Das Absenzenheft der Schule, das von einer staatlich angestellten Krankenschwester geführt wird, bestätigt diese Aussage.

In einer zusätzlichen Auswertung wurden alle Daten seit 2016 miteinbezogen und verglichen. Die Ergebnisse sind eindeutig:  Die sogenannten „waterborn-diseases“, also die durch belastetes Trinkwasser verursachten Krankheiten, sind an der Schule um 80 Prozent zurückgegangen.

„Diese äußerst positiven Ergebnisse bestärken uns weiter in unserer Arbeit und unserem Ziel, so viele Menschen wie möglich mit sauberem Trinkwasser zu versorgen“, sagt Nina Auer. Das Team ist sich einig: „Wasser darf nicht krank machen!“

Um die Menschen zu erreichen und die langfristige und nachhaltige Umsetzung des Projekts zu garantieren, werden in Kenia zusätzlich regelmäßig „Water-, Sanitation- und Hygiene-Programme“, die sogenannten WASH-Programme, in Form von Workshops, Wissens-Tranfer und Schulungen, durchgeführt. Hierfür erhält Hydro Solution Unterstützung von Partner-Hilfsorganisationen vor Ort.

Vier arbeitsintensive Wochen vergingen für die Studenten wie im Flug. „Wir haben 2018 alle Ziele erreicht, die wir uns gesetzt hatten: Einstellung von neuen Arbeitskräfte, Ausbildungskurse zu Controlling und Buchhaltung und der Bau der Produktionsstraße“, berichtet Nina Auer. Durch die neuen Angestellten wurde in Kenia eine solide Basis geschaffen, welche die stetige Produktion der Wasserfilter sicherstellt. „Wir sind sehr froh über die Hilfe und Unterstützung unserer kenianischen Mitarbeiter, die wirklich hervorragende Arbeit leisten“, sagt Max Dötterl, Ingenieur und Projektleiter bei Hydro Solution.

Vor einer Woche ist das Team wieder nach Afrika gereist. Dieses Mal geht es darum, einen Großfilter für eine weitere Schule zu fertigen, bei dem die Plastiktanks erstmals durch eine Schalung aus Beton ersetzt werden sollen. „Dadurch wird der Großfilter noch langlebiger, nachhaltiger sowie kostengünstiger und materialsparender“, sagt Max Dötterl.

 

So funktioniert der Filter:

  • Das Gehäuse besteht aus Beton
  • Das Filtrationsmedium ist speziell aufbereiteter Bruchsand
  • Das kontaminierte Wasser wird eingefüllt und verteilt sich gleichmäßig
  • Das Wasser sickert langsam durch den Sand
  • Bakterien, Viren und Würmer bleiben im oberen Bereich stecken
  • Ein natürlicher Biofilm entsteht
  • Die Keime beginnen sich gegenseitig zu fressen bzw. sterben durch Nährstoffmangel ab
  • Durch einen Auslassschlauch fließt das saubere Wasser oben wieder heraus
  • Das Trinkwasser wird in einem speziellen Container aufgefangen und kann über einen Hahn entnommen werden
  • In einer Stunde erhält man bis zu 18 Liter sauberes Trinkwasser

 

Vorteile des Bruchsandfilters:

  • Außerordentlich effektiv
  • Mit lokalen Ressourcen von den Einheimischen selbst herstellbar
  • Weder Energie noch Chemikalien nötig
  • Geringe Materialkosten
  • Mindestlebensdauer von 10 Jahren