Rettung aus der Masca Schlucht/Teneriffa

Bomberos im Rettungseinsatz in der Masca Schlucht

Das schwere Schlauchboot klatscht auf die Wellenkämme, salzige Gischt spritzt über den Bug. Drüben am Ufer leuchten die Positionslichter von Los Gigantes herüber. Die Nacht ist hereingebrochen über Teneriffa. Die junge Touristin mit dem gebrochenen Knöchel liegt sicher verpackt und umsorgt auf der Trage vor unseren Füßen. Wieder einmal haben die Bomberos von Santiago del Teide einen verunglückten Touristen aus der Masca Schlucht gerettet.

3.500 Meter steigt der Vulkankegel des Teide schroff aus den Fluten des Atlantik auf. An den steilen Flanken windet sich die schmale Bergstraße Serpentine um Serpentine zum Ort Masca, der der Schlucht ihren Namen gab.

Rettung im extrem steilen Gelände

2007 war hier der Schauplatz eines der größten Waldbrände auf der Insel. Häuser fielen den Flammen zum Opfer. Verkohlte Stämme von vereinzelten Palmen zeugen noch heute von der Katastrophe. „Damals waren wir alle hier im Einsatz“, erzählt Salvador von dem aufreibenden Kampf gegen das Feuer auf dem extrem steilen Gelände.

Die Schlucht verwandelte sich zu einem Kamin, der das Feuer mit Sauerstoff versorgte. Vier Berufsfeuerwehren von Teneriffa und ein großer Löschhubschrauber kamen zu Hilfe. Dennoch dauerte es Tage um das Feuer in dem unwegsamen Gelände unter Kontrolle zu bringen.

Von hier aus geht es nur zu Fuß weiter. Wir suchen nach einer verunglückten Touristin. „Medizinische Hilfe und Abtransport erforderlich“, kam per Notruf rein. Wegen der ungenauen Ortsangabe,„…etwa auf halber Strecke“, steigen wir am Berg ein und arbeiten uns zur Küste vor. Das Equipment, aus dem Allrad auf die Rücken des Teams verteilt, wiegt schwer. Seil und Haken, Rettungstrage für den Schultertransport, Erste-Hilfe-Koffer, Medikamente für die Erstversorgung, Decken, Trinkwasser.

Sechs Feuerwehrleute hat er zu einem Einsatzteam zusammengestellt. Ohne Rettung und Transport schaffen sie die Strecke in gut drei Stunden. Mit einem Verletzten auf der Trage, die zwei Bomberos schultern und weitere zwei links und rechts (soweit möglich) sichern, geht es deutlich langsamer voran.Zwischen stacheligen Kakteen und scharfkantigem Lavagestein markieren ein paar Stufen aus Oft sind es Touristen, die mit Sandalen, Flipflops oder dünnen Turnschuhen in die Vulkanschlucht einstiegen“, erzählt Salvador. abgetretenen Brettern und Steinplatten den Einstieg in die Schlucht: 800 Höhenmeter über ausgewaschenes Gestein, trockene Sandplateaus und feuchte Felsen direkt zur Küste. Eine Schlucht, die es in sich hat. Unzählige Geschichten können die 37 Bomberos der Freiwilligen Feuerwehr von Santiago del Teide davon berichten. Beinahe jede Woche retten sie Verunglückte aus den Felsen. 56 Einsätze registriert die Statistik für  2015.

Ein Barfußläufer testet seine Selbstüberschätzung aus

Unterwegs begegnet uns eine hoch schwangere Frau mit dünnem Schuhwerk. Unglaublich: Ein Barfußläufer testet seine Selbstüberschätzung aus. „Die Leute sind oft so unvernünftig“, schüttelt einer der Feuerwehrmänner den Kopf. Nach gut dreiviertel der Strecke treffen wir auf die Verunglückte. Der Knöchel könnte gebrochen sein. Die Bomberos leisten medizinische Erstversorgung an Ort und Stelle. Zwei bauen die Teleskoptrage aus dem Rucksack auf, während die junge Frau noch Zuspruch und eine Decke erhält als Manuel sie auf der Trage fixiert. Beim Abtransport mit der Trage auf den Schultern muss jeder Schritt sitzen. Ein Fehltritt oder einmal ausrutschen könnte die Katastrophe bedeuten. Von der Routine und Sicherheit, mit der diese Jungs ihren Job erledigen, zeigt sich selbst ein Experte wie Stefan Rothenaicher „fasziniert“.

 Beeindruckende Leistung der Feuerwehrleute

Inzwischen ist die Nacht über die Barranco de Masca hereingebrochen. Keine 20 Minuten und der glutrote Sonnenball war in den  Fluten des weiten Atlantik versunken.

Salvador manövriert das schwere Rettungs-Schlauchboot konzentriert an den Anlegesteg von Playa de Masca heran. Wellengeschaukel und fast zwei Meter Höhenunterschied zwischen Steg und Wasser fordern eine letzte Anstrengung um die junge Touristin auf der Trage unversehrt an Bord zu hieven. Das Boot bringt sie zum Hafen von Los Gigantes und dort weiter ins nächste Hospital. Geschafft! Am Abend treffen wir uns in der Stammkneipe der Bomberos. Es gibt viel zu erzählen. Jede Woche eine neue Geschichte von einem beeindruckenden Job, den die freiwilligen Feuerwehrleute auf der Ferieninsel leisten. 

Früh morgens waren wir aufgebrochen zur Feuerwache von Santiago del Teide, hoch oben an der Südwest-Flanke des 3.500 Meter hohen gleichnamigen Vulkans. Stefan Rothenaicher, über viele Jahre Repräsentant des TÜV Süd auf den Kanarischen Inseln, Sicherheitsberater und Brandschutzexperte für Hotels und andere Großimmobilien zu den Bomberos und ich. Bei den freiwilligen Feuerwehrmännern „hofften“ wir auf einen Rettungseinsatz und mussten nicht lange warten. Was für uns als Extremtest für die Stiefel eingestuft war, ist für die Retter vor Ort Alltag im Rettungsdienst. Extremstes Gelände und extremste Bedingungen  – genau das Richtige für einen Extremtest mit dem HAIX Nepal Pro