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Husky-Trail in Lappland: Der beste Freund des Mushers ist die Bremse

Die Sonne steht noch tief im Hohen Norden. Der Atem der Hunde dampft im schrägen Gegenlicht. Als würde die eiskalte Luft kochen. Alles ist in Bewegung. Vom Schwanz bis zur Schnauze. Von den Pfoten bis zu den Ohren. Nuuk hechelt im Stakkato, gefühlte dreihundertmal die Minute. Der junge Leithusky stemmt sich ungeduldig auf den Hinterbeinen ins Geschirr, jault, winselt, zerrt an der Leine. Seine Energie ist kaum zu bändigen bevor es endlich losgeht. Nicht anders bei den sechs Huskys hinter ihm im Gespann, die Suvi soeben noch ins Geschirr legt. „Die beiden direkt am Schlitten sind die stärksten. In der Mitte laufen die Läufer und nichts lieben die Hunde mehr als zu laufen“, erzählt die 27-jährige Finnin. Sie arbeitet seit mehreren Jahren in Harriniva. „Die ganze Saison von September - bis April“. Von den 430 Huskys im Camp kennt sie über die Hälfte beim Namen: „Der schönste Job  der Welt“, sagt sie, lacht hinter den blonden Zöpfen hervor und erzählt von ihren ungeliebten Sommermonaten. Dann geht sie nach Helsinki. „Job suchen, um über die warme Jahreszeit zu kommen“. Bis die neue Husky-Saison im Ende September beginnt: Dann ist sie garantiert wieder bei Jussi, dem Chef von Harriniva und bei Nuuk, Tsahkal, Tandor, Trixie und den vielen neuen, jungen Huskys, die in den nächsten Monaten dazukommen werden.

Finnland im Februar. Der Ort Muonio liegt 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Das Thermometer zeigt minus 8 Grad Celsius. Viel wärmer als erwartet. „Letzte Woche waren es noch minus 37 Grad“, erzählt Jussi. Dann kam der Temperatursturz auf plus 4 Grad. „Ein Temperaturgradient von 41 Grad innerhalb von nur 12 Stunden“. Das war selbst für den Juniorchef der Outdoor und Safari-Lodge „ganz schön heftig“ und ungewohnt.

Jussi Pietikäinnens Grossvater kam Anfang der 1970er Jahre hierher in die Wildniss und legte den Grundstein für eines der größten Outdoor- und Wilderness-Resorts im Norden Finnlands: „Ein einziges Zelt, kein Strom, kein fließendes Wasser, außer dem reißenden River, der unmittelbar vor dem Hotel vorbeifließt“, erzählt Jussi. Am anderen Ufer weht die schwedische Flagge. Ringsum nichts als Seen und Wälder“.

Aus dem Zelt wurde ein Lagerplatz und angesagter Treff für Outdoor-Fans. In den 1990er Jahren baute Jussis Vater Köppi die erste Hotelunterkunft. „Willkommen“, begrüßt uns der Senior-Chef an der Bar seines Hotels aus Holz. Ein Finne aus dem Bilderbuch. Markantes Gesicht, einnehmende Fröhlichkeit. An seiner rechten Hand fehlen die zwei kleinen Finger, was seinem Händedruck keineswegs die Qualität eines Holzfällergriffs nimmt.

Heute bieten auf dem riesigen Areal sechs gänzlich unterschiedliche Beherbergungsbetriebe und Lodges 480 Betten. Den Eispalast, einen Iglu aus dicken Eiswänden, baute Köppi 2002 zum ersten Mal und seither jedes Jahr neu. Innen verzieren Skulpturen die Wände. An der Eisbar zeugen eingeschmolzene Glasränder von heißen Getränken in kalten Nächten. Die Rentierfarm liegt hinter dem nächsten Wald. Eine halbe Stunde entfernt ist das Wildernesshotel im Winter nur per Snowmobil zu erreichen – oder mit den Huskys.

„Der beste Freund des Hundeschlittenführers ist die Bremse“, sagt Suvi. „Halte die Zugleine auf Spannung und wenn die Huskys laufen, dann lass sie laufen.“ Die Ausbildung zum Musher, wie die Schlittenhundeführer genannt werden, dauert für den Lernenden kurze, für die Hunde ewige fünf Minuten, in denen ihre unglaubliche Energie die kalte Luft knistern lässt. Die kurze Zeitspanne vor dem Aufbruch ist die ungeduldigste im Leben eines Schlittenhundes. Die Schwierigkeiten für den Neuling auf den Kufen beginnen, wenn der Zug der laufsüchtigen Vierbeiner sich in Bewegung setzt, vor allem, wenn es um die nächste enge Kurve geht, oder wenn der Schlitten von der Spur gerät und einseitig im tiefen Schnee versinkt.

Spätestens nach einer Viertelstunde aber verschmelzen die sieben Huskys, der Schlitten und der vermeintliche Chef auf den Kufen zu einer unzertrennlichen Einheit. Die Hunde laufen, die Kufen gleiten - und wie war das mit der Bremse nochmals? Wie gesagt, spätestens an der nächsten Abbiegung rückt die Bedeutung des Trittbrettes und seiner ankerförmigen Keile nach unten blitzartig zurück ins Bewusstsein. Der Rest ist Spaß, unglaubliche Freude und die Sehnsucht nach der stillen Weite Lapplands.

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