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Hospitanz bei Single Respondern in Südafrika

Für 10 Dienste hospitierte Daniel am Lima Charly 1 (LC-1), einem Single-Responder, besetzt mit einem Critical Care Paramedic, dessen Job eine Ausbildung von vier Studienjahren (Emergency Medical Care) voraussetzt.

 

Daniel Knogler hospitiert bei Rettungsdiensten auf der ganzen Welt. In Ecuador besuchte der Notfallsanitäter aus Wien mit HAIX die Bomberos de Guayaquil, in Australien hospitierte er bei verschiedenen Ambulances Down Under (SAFE berichtete). Auch in UK (London Ambulance, South East Coast Ambulance und East Midlands Ambulance) absolvierte er mehrere “Gastdienste”. Bei einem Praktikum in Kapstadt (kurz vor Corona) machte der 28-jährige WienerNotfallsanitäter völlig neue Erfahrungen.

„Dann heißt es: Sicheres Arbeitsumfeld schaffen! Man fährt erst einmal außer Reichweite des unmittelbaren Gefahrenbereichs und beginnt hier erst, den Trauma-Patienten zu stabilisieren. Das ist die sicherste Art für Einsätze in den Hotspots“, erzählt Daniel. Solche Gebiete werden vom staatlichen Rettungsdienst METRO EMS laufend neu beurteilt und eingestuft. Schon bei einem seiner ersten begleitenden Einsätze war dies mit dem Single-Responder-Fahrzeug, ein VW Golf GTD, nicht möglich. Die Einsatzmeldung: Mob justice (Selbstjustiz) – das Team mit dem Wiener Praktikanten musste vor Ort bleiben. „Das gesamte Dorf hat sich versammelt – im Vergleich zu den ca. 200 aufgebrachten Personen schien die Anzahl der vorhandenen Polizeikräfte verschwindend gering“ und für Daniel verflog das Sicherheitsgefühl von Minute zu Minute. Die Stimmung: Eine ungesunde emotionale Mixtur aus aggressivem Jubel, hysterischem Geschrei und wutentbranntem Wehklagen.

„Am Boden kämpften drei Menschen um ihr Leben. Noch immer gefesselt. Seile, mit denen sie über den Erdboden geschleift werden. Daneben blutverschmierte, faustgroße Steine. Überall versickernde und halb verkrustete Blutlachen aus denen ausgeschlagene Zähne aufblitzen. Ein Opfer mit offener Schädeldecke. Die anderen beiden mit Stichverletzungen in Brust und Rücken.“ Die Personen: Drei mutmaßliche Vergewaltiger, welche sich in solchen Situationen hin und wieder im Nachhinein als unschuldig erweisen, wie die Polizei später mitteilte. „Wir waren immerhin zu dritt vor Ort“, erzählt Daniel. Normalerweise fährt der Single-Responder alleine zum Einsatz. Diesmal unterstützt von zwei Notfallsanitäter-Praktikanten aus Österreich. „Mit drei lebensbedrohlich Verletzten sind wir dann gleichzeitig in einem Schockraum aufgeschlagen“. Für das, was Daniel aus seiner Heimatstadt Wien kennt, ein unvorstellbares Szenario. Der Schockraum dient der Erstversorgung schwerverletzter bzw. polytraumatisierter Patienten mit dem Ziel schnellstmöglicher Diagnostik und Therapie der lebensbedrohlichsten Verletzungen. Hier erlebte der 29-jährige Wiener dies als alltägliche Normalität. „Einer von den dreien hat es nicht geschafft“, erzählt er frustriert. „Mehr war nicht zu machen.“

Erlebnisse, die im Gedächtnis hängen bleiben. „Dass eine so unglaublich rohe Gewalt in manchen Teilen der Welt selbstverständlich ist“, beschäftigt den jungen Österreicher manchmal heute noch – eineinhalb Jahre danach. Dass die vier Emergency Care Practitioner (ECP) des LC-1, wie auch deren Kollegen am Kap, trotz all dieser Gewalt immer gut gelaunt in den Dienst kamen und ihre Praktikanten sehr offen und freundlich aufnahmen, freute die beiden Österreicher am meisten.

Die Ausbildung zum ECP in Südafrika umfasst ein 4-jähriges Studium zum MSc in Emergency Medical Care. Neben dem universitären Teil beinhaltet die Ausbildung unzählige Stunden in der Klinik (Notfallabteilung, ICU, Pädiatrie, Gynäkologie, Unfallchirurgie, etc), sowie am Rettungswagen und der Simulation. Der ECP bringt zum Patienten invasive Skills wie die Notfallnarkose (RSI), die Kontiotomie oder die Thorakostomie. Darüber hinaus bedient er sich eines breiten pharmakologischen Spektrums, um seine Patienten optimal zu versorgen. Bei seinen Einsätzen erlebte Daniel die ECP aus Kapstadt immer wieder als „absolute Profis“ in ihrem Job.

Es ist nicht ganz einfach in Südafrika zu hospitieren. Man braucht eine vollständige Akkreditierung als Sanitäter. Ein hoher bürokratischer Aufwand. Doch die Erfahrungen sind für Daniel „unbezahlbar“.

Längst bringt er sie in seinen Arbeitsalltag bei der Wiener Berufsrettung ein – in der strukturierten Behandlung hochkritischer Patienten und auch über seine eigene emotionale Entwicklung. Daniels Eindrücke vom Kap sind geprägt vom Kontrast. Auf der einen Seite die Townships, die Armenviertel Südafrikas. Gegründet während der Apartheid lebt hier ein großer Teil der schwarzen und farbigen Bevölkerung teils unter dem Existenzminimum. Andererseits die jungen, coolen Viertel, mit dem Wochenmarkt von Woodstock. Oder der über 1000 Meter hohe Tafelberg mit seiner grandiosen Aussicht. Oder die spektakuläre Fahrt entlang des Chapman‘s Peak Drive, eine der bekanntesten Küsten-Panorama- Straßen der Welt.

„Eine tolle Stadt und coole Eindrücke“, sagt Daniel. Auf Dauer dort zu leben wäre für ihn allerdings schwer vorstellbar. „Auch in den coolen Vierteln musst du immer alert sein“, hat er von den „locals“ gelernt: Immer auf der Hut sein, damit du diese Stadt unbeschadet überstehst! 

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