Einsatz in Afghanistan - 2 Jahre Ausbildung und dann Marschbefehl "Kundus"

„Am liebsten würde man alles mitnehmen“, erzählt Max. Doch da ist dieses Gewichtslimit. 40 Kilo Gepäck darf ein Bundeswehrsoldat für den Einsatz in Afghanistan mitnehmen. 15 Kilo davon wiegt alleine die Schutzweste. Auch der Helm muss rein in Seesack oder Metallkiste. Also beschränkt man sich auf ein paar Bücher, Bilder und Glücksbringer von der Familie, vielleicht ein Laptop. Max
kaufte sich noch eine kleine Helmkamera. Das war’s. Direkt nach der Mittleren Reife hatte sich der heute 24-jährige zur Bundeswehr verpflichtet. „Erst mal für vier Jahre um Eindrücke zu bekommen“, wie er selbst sagt. Er wurde Fallschirmjäger, durchlief die komplette Ausbildung für den Auslandseinsatz. „Der Beruf des Soldaten ist eigentlich ein schöner“, sagt er. Nach zwei Jahren kam der Marschbefehl Kundus. Am Anfang hieß es „für vier Monate“, aus sechs wurden schließlich sieben. „In der zweijährigen Spezialausbildung hatte man viel gelernt“, erzählt er. Wie sich verhalten in dem fremden Land. Respekt der afghanischen Bevölkerung gegenüber zeigen. Wie sind bestimmte Situationen zu deuten, und so fort. Doch dann wird es plötzlich ernst.

Anreise über den undewehrstützpunkt Termez in Usbekistan in einer Passagiermaschine. Dort Umstieg in einen ransal Truppentransporter und Weiterflug nach Mazar-e Sharif. Der erste Eindruck: „Ein riesiger Flugplatz, überall Flieger, man wird mit dem Linienbus abgeholt, Klimaanlage, Cola-Automat,…“ Der erste Gedanke: „So schlimm ist das doch gar nicht.“ Dann der Weiterflug nach Kundus: „Die Heckklappe des Flugzeuges öffnet sich und es ist heiß, sehr heiß. Neben der Landepiste reihen sich rostige Panzerwracks aus russischer Zeit. Wir sind ausgestiegen und… na ja!“ Bei 50-60 Grad Celsius liegt die Tagestemperatur im Sommer. Nachts kühlt es auf 25-30 Grad ab. 500 Meter sind es bis zum Zelt. Rundum Wüste. Die 40 Neuen, soeben der Bundeswehr-Transal entstiegen, sind angekommen.
„Das bedeutete erst einmal die Checkliste abarbeiten“, sagt Max. „Wo gibt es Bettwäsche? Wo Sanitätsmaterial? Wo Waffen und Munition?“ Mit zwei Kameraden wurde er in einen Container eingewiesen. Die Home-Base für die nächsten sieben Monate. 

Die Einsätze sind anstrengend. 30-40 Kilogramm trägt der Soldat am Körper. Und Verwicklungen in Kampfhandlungen sind nicht selten. Eines Tages flog der Dingo mit dem Richtschützen Max in die Luft. „Wir waren das erste Fahrzeug in einer kleinen Kolonne“, erzählt er. Der Sprengsatz lag zum Glück auf der linken Seite des Fahrzeugs. Er schleuderte es links hinten in die Luft. Ein irrsinniges Glück! Niemand wurde verletzt. „Obwohl hier Patrouillen unterwegs waren, hatten es die Taliban wieder einmal geschafft, den Sprengsatz in der Straße einzubauen“, erzählt Max. Als die Kolonne im Lager ankam und er die durchgeschlagenen Panzerplatten sah, war ihm klar: Glück gehabt!“ Einen Schutzengel hatte er auch, als sein Truppe auf einem Fußmarsch in einen Hinterhalt geriet und eine Kugel den Riemen seines Helmes durchtrennte. „Selber“, sagt er, „nimmt man das in dieser Situation gar nicht wahr. Dafür ist man viel zu sehr auf das Geschehen konzentriert.“ Erst als ihn Kameraden zurück in den Unterstand holten, „wird einem die Gefahr bewusst.“ Wieder in Deutschland zurück sieht Max heute Vieles in unserer Welt aus einer anderen Perspektive und versteht so manche Lappalie nicht, über die man sich hier aufregt. „Uns geht’s so gut hier!“, sagt er und blickt auf seine hübsche Freundin, die lange sieben Monate auf ihn wartete.