"Einsamkeit ist mein Ziel" - Interview mit dem Polizeihundeführer und Survival-Sportler Johann Arndt

Johann Arndt ist ein harter Kerl: Polizeihundeführer, Boxer und Outdoorbegeisterter. Seine letzte Reise führte ihn nach Schweden. Mit HAIX hat er über seine Tour, Einsamkeit, Grenzerfahrungen und Glücksgefühle gesprochen.

10 Tage zu Fuß durch Schweden. Hättest du manchmal nicht einfach gerne ein Taxi gerufen?

Selbstverständlich! Doch wenn man mit einem 18 kg Rucksack irgendwo in der Wildnis steht und erschöpft ist, dann kann man nicht einfach abbrechen. Man muss die Zähne zusammenbeißen, weitermachen und die Sache durchziehen. Ich finde es spannend, wie man sich dabei immer wieder selbst überwinden kann, sowohl körperlich, als auch geistig.

Was bewirkt es in dir, wenn du deine Grenzen überwindest?

Es stellt sich ein starkes Glücksgefühl ein. Auch wenn man völlig kaputt ist, kann man unglaublich stolz darauf sein, die Kraft aufgebracht zu haben, nicht aufzugeben. Und das nicht nur im Outdoor-Bereich: Ein Sieg beim Boxen oder ein erfolgreicher Polizeieinsatz lösen ein ähnliches Hochgefühl aus.

Was ist die Belohnung für einen solchen Erfolg?

Für mich ist die Belohnung, dass ich mein Ziel erreicht habe. In Schweden waren es außerdem schöne Naturlandschaften, beeindruckende Sonnenuntergänge und Einsamkeit.

Einsamkeit ist für dich eine Belohnung?

Die Einsamkeit ist sogar das Ziel meiner Reise.

In meinen Beruf als Polizeihundeführer bin ich oft extremer Reizüberflutung ausgesetzt, zum Beispiel bei großen Veranstaltungen, Fußballspielen oder dem Weihnachtsmarkt. Überall sind Menschenmassen, Lautstärke, blinkende Schilder und laute Musik.

Und die Abgeschiedenheit ist für dich der Ausgleich zur Reizüberflutung?

Genau, Einsamkeit ist für mich etwas Positives. In der Natur finde ich die Ruhe und die Kraft, Lösungen für Probleme zu finden, die ich im stressigen Alltag nicht finden könnte.

Außerdem schätze ich die Unabhängigkeit und die Flexibilität, jeden Tag so zu gestalten, wie ich es möchte. In Schweden konnte ich früh aufstehen, schwimmen und angeln gehen, danach Frühstück machen mit dem Campingkocher, Zelt abbauen und weiterziehen – wir sollten wieder lernen, gezielt zu entspannen. Die entschleunigte Mentalität der Schweden hat mich da sehr beeindruckt.

Normalerweise hast du einen starken Partner an deiner Seite, der dich in Extremsituationen unterstützt.

Mein Hund Mike ist 24/7 bei mir. Er motiviert mich oft, wenn ich an einem Punkt angelange, an dem ich denke, ich komme nicht weiter. Zusammen schaffen wir es dann und ich bin froh, dass er immer da ist.

Wie war das in Schweden?

Tatsächlich war die Tour durch Schweden der erste Ausflug seit neun Jahren, den ich ohne Hund gemacht habe. Ich wusste, dass es sehr anstrengend wird, weshalb ich im Rucksack so wenig Ballast wie möglich mitnehmen wollte. Hundefutter wäre einfach zu schwer gewesen. Auch für Trinkflaschen war kein Platz, ich habe das Wasser aus dem Fluss gefiltert. In Schweden herrscht außerdem Leinenzwang, was die Tour zusätzlich eingeschränkt hätte.

Es war sicherlich nicht einfach für dich, ohne deinen Hund.

Es ist mir sehr schwer gefallen, ihn in einer Tierpension zu lassen. Es war sehr ungewohnt für mich. Erst, als nach ein paar Tagen immer noch kein Anruf der Tierpension einging, konnte ich mich entspannen.

Was nimmst du von dieser Reise mit?

Das einfache Leben in der freien Natur ist anstrengend und befreiend zugleich.

Was mich besonders erstaunt hat, war meine große Freude, als ich am letzten Tag zu einem Camp kam und dort eine Cola light in die Finger bekam. Das war in diesem Moment das Größte für mich! Nach einer solchen Reise erscheinen Kleinigkeiten, die normalerweise selbstverständlich sind, wie purer Luxus. Man lernt die einfachen Dinge des Lebens wieder zu schätzen, ein schönes Gefühl.