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560 Kilometer in 24 Stunden: RACE AROUND AUSTRIA

Immer Mittwoch ist für Anna ein besonderer Tag. „Männertag“, nennt sie es, wenn die 32-Jährige mit ihren Vereinskollegen vom „Radsport vor dem Arlberg“ in den Sattel steigt. 50 Jungs und eine Frau auf der großen Runde. „Mithalten kann ich da locker“, lacht sie, erzählt im Renntempo vom Ehrgeiz und von kleinen spaßigen Eitelkeiten unterwegs. „Es geht um nichts, aber natürlich will da keiner als letzter am Gipfel ankommen.“ Da geht man schon mal ans eigene Limit, um auf der Passhöhe die Speichen vorne zu haben. Man braucht schließlich etwas zu erzählen und zu lachen, wenn man sich hernach mit den anderen Vereins-Damen, die auf der kleinen Runde ihre Limits definieren, im Kaffeehaus trifft. Beim „Race Around Austria“ (RAA) will Anna ihre eigenen Limits neu definieren. 560 Kilometer, 6.500 Höhenmeter, in 24 Stunden. Die Challenge gilt nicht umsonst als Eintrittskarte in die Ultra-Radsportszene und ist gleichzeitig Qualifikation für das Härteste, was es auf dem Rennrad gibt: Das „Race Across America“ (RAAM).

Anna lacht, so wie die gebürtige Steiermärkerin fast immer lacht und quirlig gut drauf ist. Eines kann sie nämlich definitiv nicht: „Ruhig rumsitzen und die Beine stillhalten“. Als ihr Freund Thomas ein Radtraining auf Mallorca plante, fackelte die damals 28-jährige nicht lange: „Ja klar, da will ich mit“. Die junge Österreicherin kaufte sich kurzentschlossen ein Rennrad, schwang sich in den Sattel und legte los. „Das waren meine ersten paar hundert Kilometer!“, lacht Anna-Maria Wolkan heute über ihren kuriosen Spontanantritt in der Rennradszene. Das war 2016. Seither ist sie vom Rad-Virus in der schmalbereiften Rennradvariante infiziert. „Vorher“, erzählt die sympathische Hörgeräte Akustikerin aus Vorarlberg, sei sie „eigentlich nur so hin und wieder“ mit dem Mountainbike unterwegs gewesen.

Thomas betreute damals den Extremsportler Christoph Strasser auf seinem „Race Across America“-Rennradabenteuer quer durch die USA. Anna allein zuhause blieb „viel Zeit“. Sie streifte ihr Renntrikot über, schlüpfte in die enganliegende Hose mit den Polstern im Schnitt und radelte bis ihre Waden glühten. Das Hashtag ist seither vor den Rennradlwadl eingeklickt wie die Cycling-Schuhe in die Pedale. Als Bloggerin lässt Anna ihre Community teilhaben an den Touren vor ihrer Haustür, quer durch Vorarlberg, das Rheintal, rund um den Bodensee oder durch die Schweiz.

20 Kilometer liegt ihr österreichischer Heimatort Zwischenwasser vom „großen Wasser“ entfernt. Rund um den Bodensee oder im oberen Rheintal „kann man wunderbar Strecke in der Ebene trainieren“, erzählt sie. In die andere Richtung stählen 1.500 Höhenmeter am Stück die #Rennradlwadl der Österreicherin, die ursprünglich aus Spielberg kommt. Der Ort lässt bei Formel-1-Fans den Groschen in Form einer schwarz-weiß-karierten Startflagge für eine etwas andere Power-Sportart fallen. Über einen „Boxenstopp“ in Graz landete die Spielbergerin vor sechs Jahren in Vorarlberg.

„Die Gegend ist ideal“, sprudelt es ihr heraus wie aus einem Gebirgsbach: „Haustüre zu und rauf aufs Rad!“ Unter der Woche fährt sie – abgesehen vom Mittwoch – lieber alleine, da kann sie ihr Tempo fahren, kann total abschalten, ist einfach unterwegs. So eine Abendrunde sei ja auch „nur“ 60-80 Kilometer lang. Am Wochenende spulen die Rennradlwadl 200-Kilometer-Touren ab – „eine gute Distanz, um den Körper nicht auszulaugen“, weiß sie, und um am nächsten Tag gemeinsam mit ihrem Freund problemlos weiter in die Pedale zu treten.

Ein wenig mulmig wird es ihr schon, wenn sie an die 560 Kilometer am Stück denkt. Eine „gewaltige Distanz, die ich bisher noch nie am Stück angegangen bin“, sagt die radelnde Filialleiterin und gesteht, dass sie Rennen eigentlich gar nicht mag. „Vor allem nicht die Massenstarts“. Aber bei der RAA Challenge ist dies anders, da gehen die Teilnehmer einer nach dem anderen auf die Strecke. 50 Einzelfahrer/Innen und 50 Teams.  Unter die 50 Solo-Starter reihen sich erstmals 12 Frauen, darunter auch „Kaliber“ wie die amtierende spanische Meisterin im 24-Stunden-Rennen.

Annas Vorbereitung lief nach Plan. Auf knapp 10.000 Kilometer hat sie ihren Trainings-Tacho dieses Jahr bereits gespult. Der Spaß an der Sache fährt immer mit. „Naaa!“, sagt sie lachend in liebenswürdig authentisch österreichischem Dialekt, „wenn’s kaan Spaß machen würd‘, würd‘ ich nicht auf’s Radl steigen“. 

Ursprünglich war die Teilnahme am RAA im Team geplant. Als ihre Radsport-Kollegin Lisa eine virus-verursachte Urlaubssperre aus dem Sattel hob, beschloss Anna die 560 Kilometer rund um Oberösterreich alleine anzugehen. 24 Stunden ist die vom Veranstalter gesetzte Marke. 28 Stunden beträgt die Karenzzeit, innerhalb der ein Starter im Ziel ankommen muss. Anna definiert ihre eigenen Ziele so: „Ich fahr das, was ich fahren kann – nicht mehr.“ Wer sie kennt, der weiß: Sie wird „aber auch bestimmt nicht weniger“ geben. Am 12. August geht’s los in St. Georgen im Attergau.

TIPP: Annas Lieblingstour orientiert sich am Highlander-Radmarathon

Von Hohenems, mitten im Rheintal, führt die Strecke über das Bödele in den Bregenzerwald.
Über Schwarzenberg geht es Richtung Hochtamberg (1.705 Höhenmeter) und weiter zum Flexenpass am Arlberg, mit 1.810 Höhenmeter die Spitze des Highlanders, nach einer rasanten Abfahrt führt die Strecke über Bludenz Richtung Faschinajoch (1.513) und das Furkajoch (1.760) zurück nach Hohenems. 187 km und 4.040 Höhenmeter werden absolviert.

Der Pass hoch zum Furcajoch und der Weg hinauf zum „Laternser Skigebiet“. Übers Walsertal dann wieder zurück. Die perfekte Schleife. Aber eigentlich gibt es in Vorarlberg „überall wunderschöne Strecken!“

Wenn das Rennen vorbei ist, wird auch wieder gewandert.

Es ist immer wichtig, sein Ziel selber zu definieren: Ich möchte so schnell wie ich kann innerhalb der 28 Stunden-Karenzzeit gesund ins Ziel kommen, sagt sie. Und dann freut sie sich auf ein Bier. „Eins, dann kann ich mich wahrscheinlich eh hinlegen!“

TIPP: Radrennen HIGHLANDER / Rund um Vorarlberg

130 km mit 2.000 Höhenmeter: Rheintal, Bregenzer Wald, Hochthannberg, Lech über Arlbergpass (Galerie) 

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